Wir haben ihn relativ unbeschadet hinter uns gebracht. Der 25. Mai 2018 war der Stichtag, an dem die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) scharf geschalten wurde. Nach zwei Jahren Übergangszeit sollte nun jedes Unternehmen auf der Erde, das Leistungen oder Produkte in der EU anbietet, der aktuellen Gesetzgebung Folge leisten. Prinzipiell ist der Schutz personenbezogener Daten jetzt kein „Nice-to-have“ mehr, sondern gesetzliche Vorschrift, die auch gehörige Bußgelder nach sich ziehen kann.

Die Angst vor eben diesen Strafen, die Last der Umsetzung der Verordnung und die Unklarheit darüber, was genau das Gesetz in der Praxis bedeutet, führen aber weiterhin zu vielen Diskussionen im Netz. Denn die Änderungen betreffen nicht nur die großen Datenkraken wie Amazon, Google und Facebook, sondern auch dich und mich. Und gerade die kleinen Unternehmen und Startups erfahren nicht viel behördlichen Beistand bei der Umsetzung der teils wirklich scharfen Vorgaben.

 

Warum ist Datenschutz wichtig?

Alles, was wir im Internet von uns preisgeben, wird gespeichert. Und auch Daten, die offline von uns erhoben werden, landen früher oder später in einer Datenbank, auf einem Rechner, im Internet. Dabei ist es vollkommen irrelevant, ob es sich um die Kundenkartei vom Dermatologen, die Käuferhistorie bei Amazon, dein Tinder-Profil oder deinen Chat-Verlauf auf WhatsApp handelt.

Datenschutz bedeutet nun, dass unsere personenbezogenen Daten nicht ohne unsere Erlaubnis gesammelt, gespeichert und ausgewertet werden dürfen.

„Aber ich habe doch nichts zu verbergen!“ magst du vielleicht denken. Meiner Ansicht nach, geht es aber gar nicht darum, OB ich etwas zu verbergen habe. Es geht vielmehr darum, ob es sein muss, dass mir unbekannte Menschen so viel über mich wissen. Ist es notwendig, dass der Mitarbeiter eines Versandhauses anhand meiner Verkaufshistorie und meinem Wohnort darauf schließen kann, wie viele Kinder ich habe, in welchem Alter sie sind und wo sie zur Schule gehen?

Oder, dass ich stets versuche abzunehmen?
In welchem Beruf ich arbeite?
Ob ich finanziell kaufkräftig oder lieber sparsam bin?
Wo ich mich gerade aufhalte und ob ich im Urlaub bin?

Schlimm wird es nämlich vor allem dann, wenn personenbezogene Daten miteinander verknüpft werden. Das geschieht vielleicht, wenn ein Anbieter Daten eines Drittanbieters kauft und anhand dessen unsere Verhaltensmuster ausliest.

Fakt ist, dass wir uns alle dringend mehr mit dem Thema Datenschutz auseinandersetzen müssen. Dazu gehört Aufklärung und ein verantwortungsvoller Umgang mit dem, was wir von uns selbst preisgeben. Aber auch der ordnungsgemäße Umgang mit den Daten, die wir selbst erheben.

 

Warum brauchen wir die DSGVO?

Die Datenschutzgrundverordnung regelt den einheitlichen Umgang mit personenbezogenen Daten in der ganzen EU. Bisher war es nämlich so, dass alle Mitgliedsstaaten selbst entschieden haben, wie ernst sie das Thema nehmen wollen. Oder eben nicht. Wohin diese Art des Umgangs hinführt, sehen wir an den Daten-Skandalen, die in den vergangenen Jahren in absehbarer Regelmäßigkeit die Runde gemacht haben. Hier ein Schlupfloch, da ein Hacker-Angriff, dort werden Daten von Milliarden Usern geklaut.

Mit der DSGVO existiert nun ein einheitlicher Leitfaden, an den sich alle EU-Staaten halten sollen. Das Ziel dieser Verordnung ist es, die Grundrechte und Grundfreiheiten aller Personen im Bezug auf ihre Daten zu schützen. So dürfen nun nicht mehr unendlich viele Daten gespeichert werden und auch nicht mehr unendlich lange. Nutzer sollen vor allem informiert werden, BEVOR ihre Daten erhoben werden und wofür eigentlich.

Diese und viele weitere Vorgaben sind ein Gewinn für den Datenschutz.

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Darüber, dass wir Unternehmer mit der Umsetzung gänzlich im Stich gelassen werden und das nicht fair ist, werde ich nicht streiten. Die teilweise enorm hohen Anforderungen sind mitunter ohne anwaltliche Hilfe nicht zu wuppen. Auch die Kommunikation der Verordnung an die Unternehmer hätte miserabler nicht sein können. In unserem Kundenbestand wussten zu Beginn 2018 90 % aller Unternehmer NICHT, dass die Verordnung kommt oder dass ab Mai mit Bußgeldern geahndet wird.

Dass hier einiges schiefgelaufen ist, ist unbestreitbar, ärgerlich und macht mich selbst (immer noch) sehr wütend.

 

Kann man denn mit der DSGVO noch Kunden online gewinnen?

Anstatt die DSGVO als Belastung für unsere Unternehmen zu betrachten, können wir sie nutzen, um die Prinzipien wahrer und vertrauenswürdiger Beziehungen zwischen Marken und Kunden auf eine neue Art und Weise wiederherzustellen. Wir können das zum Anlass nehmen, eine andere Richtung einzuschlagen.

In den vergangenen Jahren habe ich jeden Trend in meiner Branche beobachtet. Ich habe mich zu zig Webinaren angemeldet, ungefähr drölftausend Freebies heruntergeladen, tausende Euro in Onlinekurse und „kostenlose“ Bücher investiert, tue mir täglich mehr als 300 E-Mail-Kampagnen an und konsumiere all ihre Newsletter.

Weißt du, was mir dabei aufgefallen ist?

Der Trend, so viele Nutzer wie möglich anzusprechen und dann stetig auszusortieren. 

Du kennst sicher das Prinzip eines Sales Funnels, oder? Du leitest Besucher auf eine Webseite, auf ein Angebot oder sonst was und leitest sie durch verschiedene Stufen. Wer sich anmeldet, registriert oder kauft, kommt eine Stufe weiter. Wer nicht, der wird mit Werbung so lange malträtiert, bis er sich erschlagen gibt und kauft oder abonniert.

Einmal im Funnel gelandet, folgen E-Mail-Kampagnen mit Selbstdarstellungen des Autors. Auch Einladungen zu Webinaren dürfen da nicht fehlen, die das „Next-Big-Thing“ deiner Branche verkünden und am Ende einen „genialen Onlinekurs“ verkaufen.

Das ist so das grobe Prinzip, was sich hierzulande verbreitet hat, wie ein Lauffeuer.

 

Die wenigsten haben bereits verstanden, dass ein Datenschutz-konformes Marketing, das auf einer engen und vertrauensvollen Basis zum eigenen Kunden basiert, viel wertvoller ist. Wirklich interessierte Nutzer bringen einen vielfach höheren ROI als Nutzer, die übermäßig genervt werden. Denn mal ehrlich, keiner von uns will Werbung sehen. Was wir wollen, ist Nutzen, sind Lösungen für unsere Probleme und Abkürzungen zu unseren Wünschen.

Es gibt so viele Arten nachhaltiges, respektvolles Marketing zu praktizieren. Es muss nicht laut, schmierig, aufdringlich und penetrant sein. Kurzsichtige Marketer werden weiterhin versuchen ihren Weg so weiter zu gehen. Sie werden sicherlich auch Schlupflöcher für die Gesetze suchen und finden. Aber der schlaue Marketer wird seinen Interessenten mit Respekt begegnen, ihr Interesse wertschätzen und die Person dahinter sehen. Nicht nur den Profit.

Was du konkret tun kannst, damit dein Marketing ein smartes Marketing wird / ist / bleibt, habe ich hier ein paar Regeln für dich aufgestellt:

 

4 Regeln, die du für DSGVO-konformes Marketing einhalten solltest

1. Lerne deine Zielgruppe kennen!

Ich werde nicht müde, dir in so ziemlich jedem Artikel mitzuteilen, wie wichtig das ist. Lerne zu verstehen, wo ihre Probleme sind. Versetze dich in ihre Lage, erfülle ihre Wünsche. Und dann erstelle Angebote, die genau zu ihnen passen. Noch immer treffe ich täglich auf Unternehmer, die nur eine unklare Vorstellung ihrer Zielgruppe haben. Nicht zuletzt ist das einer der Gründe, weswegen viele Unternehmen keinen Erfolg haben.

 

2. Erhebe nur die Daten, die für dein Business auch wirklich relevant sind!

Ein Grundsatz des Datenschutzes ist die Datensparsamkeit. Heißt, so viel wie nötig aber so wenig wie möglich Daten erheben. Zum Beispiel ist es für einen Versicherungsmakler notwendig, dass er auch sensible Daten wie den Gesundheitsstand, Familienstand und die Anzahl der Zahnspangenträger in einer Familie erhebt. Anders ist er nicht in der Lage, eine spezielle Versicherung zu berechnen. Wir als Online Marketer sollten das nicht tun, denn wir brauchen diese Daten nicht, wenn wir dir ein Angebot unterbreiten oder dir einen Newsletter zuschicken möchten.

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3. Höre auf Daten zu sammeln und beginne, Daten auszuwerten

Einmal Google Analytics aufgesetzt, implementiert und der Dienst sammelt fröhlich Nutzerdaten für dich. Egal ob du sie dir ansiehst oder nicht. Lass den Schmarrn bitte sein. Wenn dich nicht interessiert, wie viele Menschen deine Seite besuchen, welchen Content sie konsumieren oder von wo sie gelangweilt abspringen, dann erhebe die Daten gar nicht erst! Ansonsten: Blocke dir einen festen Termin jeden Monat oder jede Woche und werte die vorliegenden Daten aus!

Außerdem solltest du natürlich auf Dinge achten wie einen AV-Vertrag mit Google, die IP-Anonymisierung im Tracking-Code und eine Opt-Out-Möglichkeit, sofern bei dir notwendig. Eine Checkliste für eine ordnungsgemäße Verwendung von Google Analytics findest du auf dem Blog der Kollegen von 121Watt, die ich sehr empfehlen kann.

 

4. Respektiere die Grenzen deiner Nutzer und Interessenten

Hast du Lust, ein und dieselbe Werbeanzeige wochenlang zu sehen? Nein? Deine Nutzer auch nicht! Also halte dich beim Remarketing mit wochenlangen Kampagnen vielleicht etwas zurück und betrachte deine eigene Werbung etwas mehr aus dem Blickwinkel des Konsumenten.

 

5. Versende deine E-Mails dosiert

Jeden Tag zwei Mails versenden, weil der amerikanische Guru in seinem Podcast sagt, so verdienst du am meisten Geld?

Punkt 1: Wir sind keine Amerikaner. Wir haben demnach auch deren Mentalität nicht. Was dort funktioniert, muss nicht automatisch auch bei uns das goldene vom Ei sein.

Punkt 2: Versetze dich in deine Zielgruppe hinein! Will einer von denen täglich E-Mails bekommen? Oder Emails voller Werbung für deine eigenen Produkte, die sie am Ende gar nicht brauchen oder wollen?

Sorry, aber damit gewinnst du keinen Blumentopf mehr.

E-Mail-Marketing ist, richtig eingesetzt, der Schlüssel zum Herzen deiner Interessenten. Außerdem muss E-Mail-Kommunikation nicht immer eine Einbahnstraße sein. Es bietet unzählige Möglichkeiten herauszufinden, was wirklich die Wünsche und Probleme deiner Kunden sind.

 

6. Mach deine Webseite Datenschutz-konform

Vergiss bitte auch nicht, auf deiner Webseite auf Datenschutz zu achten und die notwendigen Änderungen einzubauen.

Überall dort, wo Daten erhoben werden, solltest du den Besucher auch darauf hinweisen, wofür. Eine vollständige Datenschutzerklärung ist logischerweise auch notwendig. Wenn du deinen Besuchern die Möglichkeit gibst, auf Cookies zu verzichten, mach das bitte anständig. Ich habe in den vergangenen Tagen schon Seiten gesehen, die den Schriftzug „Austragen“ einfach transparent darstellen – das ist kein respektvoller Umgang mit anderen Menschen.

Welche Maßnahmen tatsächlich für dich und dein Business relevant sind, kannst nur du selbst entscheiden. Oder aber der Anwalt deines Vertrauens. Einen Einblick in das Thema sowie eine umfassende Checkliste findest du aber auch bei Sabrina von LawLikes, ihres Zeichens Rechtsanwältin.

 

Mein Fazit

Respektvolles, authentisches Online Marketing ist nicht schwer und auf keinen Fall unmöglich. Daran ändert auch eine DSGVO nichts. Bei Netzapplaus folgen wir den Regeln eines respektvollen Marketings bereits seit unserem Start in 2012. Nachhaltigkeit, Authentizität und Respekt waren bereits damals die Grundpfeiler unserer Überzeugung und wir haben in den vergangenen Jahren damit ausschließlich gute Erfahrung gemacht.

Hast du noch ergänzende Regeln, die man hier eventuell mit in die Liste aufnehmen sollte? Schreib es in die Kommentare, damit wir die Liste für andere Unternehmen weiter fortführen können!

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